
ToBRFV: alles Wissenswerte zur Eindämmung einer wachsenden Bedrohung
ToBRFV: alles Wissenswerte zur Eindämmung einer wachsenden Bedrohung

Geschichte und Verbreitung Seit seiner erstmaligen Identifizierung im Jahr 2014 in Israel hat sich das ToBRFV rasch weltweit verbreitet. Ab 2018 wurde das Virus in Mexiko, den USA sowie in Europa nachgewiesen, unter anderem in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Griechenland und weiteren Ländern. In Deutschland wurden die ersten Fälle laut deutschen Pflanzenschutzbehörden sowie dem Julius-Kühn-Institut bereits im Herbst 2018 insbesondere in Nordrhein-Westfalen gemeldet. Das ToBRFV infiziert Tomaten, kann aber auch Paprika befallen. Die Übertragung erfolgt über Saatgut und Jungpflanzen, jedoch nicht ausschließlich: Es handelt sich um ein Kontaktvirus. Sobald ein Bestand betroffen ist, können Kleidung, Werkzeuge, Hände sowie Wasser kontaminiert werden. Alle Anbausysteme sind betroffen – vom Freilandanbau über Kaltfolientunnel bis hin zu beheizten Gewächshäusern.
Wie erkennt man mit ToBRFV infizierte Pflanzen?

Die Erkennung von ToBRFV ist auf den ersten Blick nicht immer einfach. Erste Anzeichen für eine ToBRFV-Infektion können sich unterschiedlich äußern: • geringerer Pflanzenwuchs • blassere Blätter • verzögerte Fruchtreife • ungleichmäßige Fruchtentwicklung im Vergleich zu gesunden Pflanzen • Früchte mit einzelnen Flecken. Häufig können diese Anzeichen auch durch andere Faktoren, wie zum Beispiel Nährstoffmangel, verursacht werden, was die Erkennung von ToBRFV erschwert.
Die häufigsten Symptome von ToBRFV an Tomaten sind:
• Chlorosen, Mosaik- und Marmorierungen, Verformungen sowie Blattverkleinerungen an jungen Blättern im Apex und an Seitentrieben • dunkelgrüne Blasenbildung auf älteren Blättern • Welken und Vergilben bis hin zum Absterben der Pflanze • nekrotische Flecken an Kelchblättern und Blütenstielen • gelbe, grüne oder auch braune Flecken, die sich ins Fruchtinnere ausbreiten können • ungleichmäßige Fruchtreife, Deformationen und eine zunehmend raue Fruchthaut.
Viele Aspekte des Virus sind noch nicht vollständig geklärt.
Es ist durchaus möglich, dass das Virus latent vorhanden ist, ohne an den Pflanzen sichtbar zu sein, während Symptome sehr wahrscheinlich an den Früchten auftreten. Umgekehrt können Symptome an den Früchten auftreten, ohne dass die Pflanzen selbst betroffen erscheinen. Es ist zudem belegt, dass einige frühere Kulturen infiziert waren, ohne Symptome zu entwickeln. Auf diese Weise kann sich ToBRFV auf nachfolgende Produktionen ausbreiten. Bis heute bestehen zahlreiche Wissenslücken hinsichtlich der Ausbreitung dieses Virus, insbesondere in Bezug auf den Zeitraum zwischen dem Überträger, also dem virus¬tragenden Material, und der Infektion der ersten Pflanze. Im Laufe der kommenden Anbausaisons sowie durch Rückmeldungen betroffener Erzeuger werden diese Erkenntnisse die bisherigen Kenntnisse weiter ergänzen und präzisieren.
Der Labortest als zuverlässigster Weg zum Nachweis von ToBRFV

Im Zweifelsfall gilt der Labortest als zuverlässigste Methode zum Nachweis von ToBRFV. Dieser ist relativ einfach: Es genügt, an mehreren Pflanzen Kelchblätter sowie Triebspitzen mit aktivem Wachstum zu entnehmen. Ein Labor kann anschließend feststellen, ob ToBRFV vorhanden ist oder nicht. Auch Drainagewasser kann Virusspuren enthalten. Dessen Analyse kann helfen, das Vorhandensein von ToBRFV frühzeitig zu erkennen, noch bevor das Virus die Pflanzen stark befällt. Die frühzeitige Erkennung von ToBRFV ermöglicht es, schnell Maßnahmen zu ergreifen und den vollständigen Verlust der Kultur zu vermeiden.
Die Tomate als zentrale Kultur im europäischen und deutschen Gemüsebau

Die Tomate ist weltweit das beliebteste Gemüse der Verbraucher, sowohl in frischer als auch in verarbeiteter Form. Dementsprechend zählt sie zu den tragenden Säulen des europäischen und deutschen Gemüseanbaus. Um die Bedeutung dieser Kultur im Kontext der ToBRFV-Bedrohung richtig einzuordnen, ist eine genauere Analyse erforderlich.
Tomatenproduktion in Europa
• 17 Millionen Tonnen produzierte Menge (Industrie & Frischmarkt) • Führende Länder: Italien, Spanien, Portugal, Niederlande, Polen, Griechenland • Frankreich: siebtgrößter Produzent innerhalb der EU • Rückgang der Gewächshausproduktion (–9 % Prognose für 2025) infolge von Energieeinsparungen • Anstieg der Freilandproduktion (+19 % Prognose für 2025) • Starker Wettbewerbsdruck durch Marokko: 394.891 Tonnen importiert im Jahr 2023.
Zahlen und Fakten zur Tomate in Deutschland

• Ein dynamischer Markt: Mit rund 27,4 kg Tomaten pro Kopf und Jahr ist die Tomate das beliebteste Gemüse der deutschen Verbraucher. • Großes Entwicklungspotenzial: Die deutsche Produktion, auf etwa 108.000 Tonnen geschätzt, bietet reale Wachstumschancen für die Branche. • Ganzjährig starke Nachfrage: Der hohe Konsum sorgt für einen stabilen und attraktiven Markt für Erzeuger.
Prävention, der erste Schutz gegen ToBRFV
In Deutschland gelten strenge Vorgaben zur Eindämmung von ToBRFV. Dazu zählen Saatgutkontrollen, Biosicherheitsmaßnahmen sowie gegebenenfalls die Rodung infizierter Pflanzen und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit. Bis heute steht keine kurative Behandlung zur Verfügung, um der Entwicklung des ToBRFV entgegenzuwirken. Die Eindämmung des Virus beruht daher ausschließlich auf Prävention und Biosicherheit. Konkrete und detaillierte Maßnahmen sind im 2023 von der französischen Fachorganisation APREL veröffentlichten Praxisprotokoll beschrieben, das in vielen europäischen Produktionssystemen als technische Referenz dient. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Maßnahmen dieses Hygiene- und Sicherheitsprotokolls, die sowohl in landwirtschaftlichen Betrieben als auch in Versuchsstationen umzusetzen sind: • Einsatz von speziell zugewiesenem Personal für die einzelnen Kulturbereiche • Systematisches Händewaschen • Tragen von sauberer Arbeitskleidung und Handschuhen sowie deren regelmäßiger Wechsel • Installation von Desinfektions-Fußbädern an den Eingängen der Gewächshäuser • Gründliche Desinfektion von Werkzeugen und Arbeitsmaterial • Strenge Kontrolle von Besuchern und externen Personen • Schnelle Entfernung verdächtiger Pflanzen • Verwendung von zertifiziertem Pflanz- und Saatgut • Einsatz von desinfizierten Containern und Anzuchtplatten. Im Falle einer Kontamination ist es zwingend erforderlich, die vollständige Rodung der befallenen Pflanzen durchzuführen, die pflanzlichen Rückstände zu entfernen und anschließend eine gründliche Reinigung aller Oberflächen vorzunehmen. Die konsequente Einhaltung dieser Maßnahmen trägt dazu bei, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und virusfreie Zonen zu erhalten. Ergänzend dazu bietet die Wahl resistenter oder toleranter Sorten einen optimalen Schutz gegen ToBRFV.
Neue resistente Sorte als konkrete Lösung
Um ihre Ernte zu sichern, können Erzeuger heute auf ToBRFV-resistente oder -tolerante Sorten setzen. Das Sortiment von VOLTZ entsprechend erweitert, um dieser Nachfrage gerecht zu werden. Bellacœur F1 ist eine Tomate, die bereits für ihr umfassendes Resistenzpaket bekannt ist und nun zusätzlich eine Toleranz gegenüber ToBRFV aufweist.
Die aromatische Ochsenherztomate mit ToBRFV-Toleranz
BELLACOEUR F1

• Ochsenherztomate für den Frühjahrs- und Sommeranbau • Früchte von 250–300 g, kräftig rot, ohne grüne Schulter • sehr gute Homogenität • saftiges Fruchtfleisch • hoher Ertrag und regelmäßiger Fruchtansatz; • gute Blattabdeckung; • Resistenzen: o HR: ToMV 0–2 ; TSWV 0 ; Va 0 ; Vd 0 ; Fol 0–1 o IR: TSWV 1 ; ToBRFFV
BELLACOEUR F1 entdeckenPeppino F1
Peppino F1

• Andenhorn-Tomate, geeignet für den Anbau unter Kaltfolientunneln • längliche Früchte mit ausgeprägter Spitze, 210 bis 240 g • intensiv rote Farbe bei Reife • gleichmäßige Kaliber über den gesamten Kulturverlauf • Pflanze mit sehr ausgewogenem Wuchs und kurzen Internodien • sehr gute Standfestigkeit bei hohen Temperaturen • gleichmäßige Produktion während der gesamten Saison • Resistenzen: o HR: Fol 0–1 ; Va ; Vd ; For ; Pf A–E o IR: TSWV ; Mi ; Ma ; Mj
PEPPINO F1 entdeckenDie Europäische Union engagiert sich aktiv im Kampf gegen ToBRFV. Systematische Saatgutanalysen werden durchgeführt, und die Kontrollen werden je nach Herkunft der Tomatenpflanzen und des Saatguts verstärkt, insbesondere bei Ware aus Israel und China. Darüber hinaus wird derzeit eine präzise Dokumentation resistenter Sorten erarbeitet, einschließlich klar geregelter Ausnahmeregelungen. Diese Maßnahmen, kombiniert mit Prävention sowie der Einführung resistenter oder toleranter Sorten wie Bellacœur F1, stellen heute die zentralen Hebel dar, um Tomatenerzeuger langfristig vor ToBRFV zu schützen.
Februar 2026
Quellen & Links:
Openagrar
https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00041932/JKA-467-31-05.pdf
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/250723_Tomaten.html
Bundeszentrum für Ernährung
https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/rot-rund-regional
APREL
https://aprel.fr/wp-content/uploads/1Protocole_virus_ToBRFV_tomate_2023.pdf
La France Agricole (Die französische Landwirtschaft)
Erfolgreich Obst & Gemüse
https://www.reussir.fr/fruits-legumes/tomate-comment-le-virus-tobrfv-bouscule-la-production
Ephytia
https://ephytia.inra.fr/fr/C/27470/Vigi-Semences-Tomato-brown-rugose-fruit-virus-ToBRFV
Fresh Plaza